Berichtssaison 2027: Zeitplan für die englische Fassung

Die Berichtssaison ist die Zeit, in der börsennotierte Unternehmen über das abgelaufene Geschäftsjahr berichten. Endet es am 31. Dezember 2026, muss der Jahresfinanzbericht spätestens am 30. April 2027 veröffentlicht sein, im Prime Standard auf Deutsch und auf Englisch. Diese Checkliste zeigt die Termine 2027 und was die englische Fassung bis dahin braucht.

Zwei Kolleginnen verfolgen konzentriert eine Abstimmung am Bildschirm

BMP World Wide Writers (Burton, Münch & Partners World Wide Writers GbR) ist eine Adaptionsagentur in Düsseldorf, die Unternehmens- und Markenkommunikation internationalisiert. Geschäftsberichte gehören bei uns zum Bereich IR/PR.

Die Fristen stehen im Gesetz und in der Börsenordnung. Für die Arbeit davor, von der Terminologie bis zu Übergaben und Freigaben, schreibt niemand etwas vor. Beides gehört in einen Plan, und der sollte stehen, bevor das erste Kapitel fertig ist.

Die Termine 2027 auf einen Blick

Die Tabelle rechnet die gesetzlichen Fristen für ein Geschäftsjahr, das dem Kalenderjahr entspricht. Weicht Ihr Geschäftsjahr ab, verschieben sich die Daten entsprechend.

Fristen und Sprachregeln 2027 für ein Geschäftsjahr gleich Kalenderjahr
DokumentFristSpätester TerminEnglisch im Prime StandardQuelle
Unternehmenskalender 2027zu Beginn des Geschäftsjahrs, danach laufend aktualisiertJanuar 2027Deutsch und Englisch§ 54 BörsO FWB
Jahresfinanzbericht 2026spätestens vier Monate nach Ende des Geschäftsjahrs30. April 2027Deutsch und Englisch, in derselben Frist§ 114 WpHG, § 325 Abs. 4 HGB, § 51 BörsO FWB
Quartalsmitteilung zum 31. März 2027innerhalb von zwei Monaten nach Ende des Quartals31. Mai 2027Deutsch und Englisch§ 53 BörsO FWB
Ordentliche Hauptversammlungin den ersten acht Monaten des Geschäftsjahrs, Einberufung mindestens 30 Tage vorher31. August 2027keine Vorgabe der Börsenordnung§ 175 Abs. 1 AktG, § 123 Abs. 1 AktG
Halbjahresfinanzbericht 2027spätestens drei Monate nach Ende des Halbjahrs30. September 2027Deutsch und Englisch§ 115 WpHG, § 52 BörsO FWB
Quartalsmitteilung zum 30. September 2027innerhalb von zwei Monaten nach Ende des Quartals30. November 2027Deutsch und Englisch§ 53 BörsO FWB
Ad-hoc-Mitteilungunverzüglichlaufendzeitgleich auch auf EnglischArt. 17 MAR, § 56 BörsO FWB

Im Prime Standard muss die englische Fassung des Jahresfinanzberichts in derselben Frist bei der Börse sein wie die deutsche: spätestens vier Monate nach Ende des Geschäftsjahrs. So steht es in § 51 Abs. 2 der Börsenordnung der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Quartalsmitteilung ist selbst eine Pflicht des Prime Standards; außerhalb davon verlangt die Börsenordnung weder sie noch die englischen Fassungen.

Offengelegt wird der Jahresabschluss nach dem HGB auf Deutsch (§ 325 Abs. 1 HGB), und zwar im einheitlichen elektronischen Berichtsformat ESEF: der Bericht als XHTML-Datei, ein IFRS-Konzernabschluss zusätzlich mit maschinenlesbaren Auszeichnungen (§ 328 Abs. 1 HGB, ESMA).

Hauptversammlung: was ab der Einberufung zugänglich sein muss

Börsennotierte Gesellschaften müssen alsbald nach der Einberufung auf ihrer Internetseite zugänglich machen (§ 124a AktG, § 175 Abs. 2 AktG):

  • die Einberufung mit Tagesordnung

  • die Unterlagen für die Versammlung, darunter Jahresabschluss, Lagebericht, Bericht des Aufsichtsrats und Vorschlag für die Verwendung des Bilanzgewinns, beim Mutterunternehmen auch Konzernabschluss und Konzernlagebericht

  • die Unterlagen zu Vergütungssystem oder Vergütungsbericht, wenn darüber beschlossen wird

  • die Gesamtzahl der Aktien und Stimmrechte sowie gegebenenfalls die Formulare für die Stimmabgabe

Eine englische Fassung dieser Unterlagen verlangt die Börsenordnung nicht. Den Termin der Hauptversammlung muss der Unternehmenskalender im Prime Standard aber auf Deutsch und Englisch nennen.

Stand: Oktober 2026. Termine gerechnet für ein Geschäftsjahr gleich Kalenderjahr. Diese Übersicht ersetzt keine Rechtsberatung: Wir übersetzen und redigieren, rechtlich beraten wir nicht. Welche Pflichten für Ihr Unternehmen gelten, klärt Ihre Rechtsabteilung.

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Stand Oktober 2026

Für den Bericht über 2026 ist noch nicht alles entschieden. Der Stand, wie ihn unsere Seite Nachhaltigkeitsbericht übersetzen mit allen Quellen aufführt:

  • EU. Die Änderungsrichtlinie (EU) 2026/470 ist seit dem 18. März 2026 in Kraft. Sie beschränkt die Pflicht auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten im Jahresdurchschnitt und mehr als 450 Mio. Euro Nettoumsatz. Umsetzen müssen die Mitgliedstaaten bis zum 19. März 2027 (Europäisches Parlament).

  • Deutschland. Das Gesetz zur Umsetzung der CSRD ist nicht verabschiedet (Bundestag). Bis es in Kraft tritt, stehen im HGB weiter die Regeln zur nichtfinanziellen Erklärung (§ 289b HGB).

  • Standards. Die EU-Kommission hat am 3. Juli 2026 überarbeitete ESRS angenommen (C(2026) 5010). Sofern Parlament und Rat nicht widersprechen, treten sie am 10. November 2026 in Kraft und gelten für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027. Für Geschäftsjahre, die 2026 beginnen, dürfen Unternehmen sie schon anwenden und geben dann an, welche Fassung sie nutzen.

  • Deutsche Begriffe. Für die deutsche Fassung der überarbeiteten ESRS haben DRSC und AFRAC der Kommission am 26. Juni 2026 eine geprüfte Liste deutscher Fachbegriffe übermittelt.

Für die englische Fassung folgt daraus eine Aufgabe, bevor der erste Satz übersetzt ist: festhalten, nach welchem Rahmen und welcher Fassung berichtet wird und wie der Teil im Bericht heißt, Nachhaltigkeitserklärung oder Nachhaltigkeitsbericht. Davon hängen die Begriffe ab. Auf Englisch kommen sie aus dem ESRS-Original.

Stand: Oktober 2026. Welche Pflichten für Ihr Unternehmen gelten, klären Ihre Rechtsabteilung und Ihr Abschlussprüfer.

Checkliste: die englische Fassung vorbereiten

Die folgenden Schritte stehen in keinem Gesetz. Sie ergeben sich daraus, wie ein Bericht entsteht. Wann sie bei Ihnen fällig sind, hängt von Ihrem Redaktions- und Satzplan ab. Rechnen Sie vom Veröffentlichungstermin rückwärts.

Bevor die Berichtserstellung beginnt

  1. Umfang festlegen. Welche Dokumente brauchen eine englische Fassung: Jahresfinanzbericht, Nachhaltigkeitserklärung, Vergütungsbericht, Einladung zur Hauptversammlung, Quartalsmitteilungen, Pressemitteilungen, Präsentationen? Und welche Teile werden übersetzt, welche adaptiert, etwa Vorstandsbrief und Magazin?

  2. Die englische Fassung in den Zeitplan schreiben. Als eigene Spalte im Redaktions- und Satzplan: Übergabe, Rückfragen, Freigabe und Satzkorrektur je Kapitel.

  3. Terminologie abstimmen. Vorjahresbericht und Terminologiedatenbank durchgehen, neue Begriffe festlegen: neue Segmente, Kennzahlen, Programme, geänderte Bezeichnungen. Und klären, wer im Haus Begriffe freigibt.

  4. Stil festlegen. Britisches oder amerikanisches Englisch, Zahlen- und Datumsschreibweise, die englischen Namen von Vorstand und Aufsichtsrat. Was im Styleguide steht, muss niemand mehr fragen.

  5. Unterlagen bereitstellen. Vorjahresbericht auf Deutsch und Englisch, Styleguide, Glossar, aktuelle Präsentationen, Ansprechpartner in Finanzen, Recht und Nachhaltigkeit.

Während der Berichtserstellung

  1. Kapitel in Tranchen übergeben. Sobald ein Kapitel freigegeben ist, nicht erst den ganzen Bericht. Beschreibende Teile stehen oft früher fest als die endgültigen Zahlen.

  2. Änderungen markiert übergeben. Mit Änderungsmodus oder Versionsvergleich. Dann wird nur neu bearbeitet, was sich geändert hat, und nichts rutscht durch.

  3. Freigabeschleifen festlegen. Wer prüft die englische Fassung fachlich, bis wann und in welcher Form? Rückfragen gesammelt beantworten, nicht einzeln auf Zuruf.

  4. Zahlen gegenlesen. Nach jeder Zahlenänderung Tabellen und Fließtext der englischen Fassung mit dem deutschen Original abgleichen.

Vor der Veröffentlichung

  1. Im Satz lesen. Die englische Fassung im Layout prüfen: Umbrüche, Trennungen, Tabellen, Seitenverweise, Grafiken mit Text.

  2. Dateien klären. Wer erstellt die englische Fassung für Website und Börse, und bis wann muss der Text dafür stehen? Gibt es auch eine englische ESEF-Datei, gilt dieselbe Frage.

  3. Frist im Blick behalten. Im Prime Standard gilt die Frist für beide Sprachfassungen. Die englische hat keinen Aufschub.

Nach der Veröffentlichung

  1. Terminologie fortschreiben. Was im Geschäftsbericht festgelegt ist, gilt weiter: in der Quartalsmitteilung, in Einladung und Vergütungsbericht zur Hauptversammlung, im Halbjahresfinanzbericht.

  2. Kurz zurückblicken. Was hat gehakt? Ein Absatz genügt, und der Plan für das nächste Jahr wird besser.

Wie wir in dieser Phase arbeiten, steht unter Geschäftsbericht übersetzen. Was Begriffe wie Jahresabschluss, Lagebericht oder Quartalsmitteilung genau bedeuten, erklärt unser Glossar.

Häufige Fragen

Der Jahresfinanzbericht muss spätestens vier Monate nach Ende des Geschäftsjahrs öffentlich sein (§ 114 WpHG, für kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften § 325 Abs. 4 HGB). Endet das Geschäftsjahr am 31. Dezember 2026, ist das der 30. April 2027.

Im Prime Standard ja. Die Börsenordnung der Frankfurter Wertpapierbörse verlangt, dass der Jahresfinanzbericht spätestens vier Monate nach Ende des Geschäftsjahrs auf Deutsch und auf Englisch bei der Börse ist (§ 51 Abs. 2 BörsO FWB). Außerhalb des Prime Standards gilt diese Regel nicht.

Im Prime Standard ja. Dort sind Quartalsmitteilungen zum ersten und dritten Quartal Pflicht, auf Deutsch und auf Englisch und innerhalb von zwei Monaten nach Quartalsende (§ 53 BörsO FWB). Für 2027 heißt das: bis 31. Mai und bis 30. November.

Die Börsenordnung verlangt das nicht. Pflicht ist, die Einberufung und die Unterlagen alsbald nach der Einberufung auf der Internetseite zugänglich zu machen (§ 124a AktG). Im Prime Standard muss allerdings der Unternehmenskalender, der den Termin der Hauptversammlung nennt, auf Deutsch und Englisch erscheinen (§ 54 BörsO FWB).

In Deutschland ist das Umsetzungsgesetz nicht verabschiedet (Stand Oktober 2026). Bis es in Kraft tritt, stehen im HGB weiter die Regeln zur nichtfinanziellen Erklärung. Die überarbeiteten ESRS gelten für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027; für Geschäftsjahre, die 2026 beginnen, dürfen Unternehmen sie freiwillig anwenden. Welche Pflichten für Sie gelten, klären Rechtsabteilung und Abschlussprüfer.

Die Terminologie sollte stehen, bevor das erste Kapitel fertig ist. Die Arbeit am Text beginnt, sobald die ersten Kapitel freigegeben sind, und läuft parallel zur deutschen Fassung. Wer erst den fertigen deutschen Bericht übergibt, lässt der englischen Fassung nur die Zeit zwischen Redaktionsschluss und Frist.