Ein Leitfaden für die Übersetzung von Geschäftsberichten – Countdown läuft
Die deutsche Adaption eines TV-Spots für den chinesischen Staatscarrier ist ein Paradebeispiel für die Gefahren globaler Kampagnen. Mit einer Übersetzung, die sprachlich deutlich misslungen ist und dem poetisch-emotionalen Duktus des Chinesischen sklavisch folgt (genau wie der zudem fehlerhafte (!) englische Sprechertext), gerät der Auftakt der ersten international ausgerichteten Kampagne in Deutschland zur Bruchlandung.
Nichts gegen Lokalkolorit, Air China ist schließlich eine asiatische Fluggesellschaft – aber was hier sprachlich konstruiert wurde, kommt einem bestenfalls spanisch vor. Zumal die Textbezüge in mehrerlei Hinsicht irritieren. So verweist „wir“ teils auf die Fluggesellschaft, teils auf die Fluggäste. Und als ob das nicht schon verwirrend genug wäre, sehen wir bei „Reisen, die wir nie zuvor gemacht haben“ einen Piloten im Cockpit (es ist nur zu hoffen, dass er ans Ziel findet …).
Air China hätte auf dem Weg zum Global Player eine kulturell klug angepasste Lokalisierung verdient, die zwar die Wurzeln des Unternehmens zeigt, gleichzeitig aber die deutschsprachige Zielgruppe gekonnt ins Boot holt. Schließlich will man sich als potenzieller Kunde richtig wahrgenommen und in seinen Wünschen und Bedürfnissen verstanden wissen. Und das umso mehr, wenn es um ein in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor besonders kritisch beäugtes chinesisches Unternehmen geht.